Entwicklung und Geschichte der modernen Trauerrede

ENTWICKLUNG UND GESCHICHTE DER MODERNEN TRAUERREDE

Trauerreden – auf dem Weg zur freien Dienstleistung

Die Tradition der Trauerreden ist sehr alt. Wohl schon immer haben wir unsere Verstorbenen nicht stumm beerdigt. Erste Trauerreden sind in Europa aus der Antike überliefert. Die Verstorbenen sollten gewürdigt und in der Trauerfeier angemessen verabschiedet werden. Den Angehörigen wurde Trost und Beistand zugesprochen. Dabei waren stets auch religiöse Motive wesentlicher Teil des Bestattungszeremoniells. Die christlichen Kirchen etwa waren bis in die Moderne tief mit der gesamten Gesellschaft, mit Staat, Gemeinwesen, öffentlichem und familiärem Leben verflochten. Dabei gingen die verschiedenen christlichen Konfessionen – evangelisch-lutherisch, reformiert, römisch-katholisch und andere – sowie das Judentum in seinen unterschiedlichen Richtungen und der Islam in seinen Ausformungen bei den Beerdigungsfeiern jeweils etwas unterschiedliche Wege.

Aufklärung und Humanismus

Ab dem 18. Jahrhundert verändern Aufklärung und Humanismus die öffentliche Kultur in Europa. Prozesse der Säkularisierung erfassten die europäischen Gesellschaften in jeweils unterschiedlichen Ausprägungen. Damit wurde den Einzelnen auch Distanz zu den christlichen Kirchen möglich. Die europäischen Gesellschaften wurden vielfältiger und die Einzelnen freier. Säkulare Alternativen zur kirchlichen Aussegnungszeremonie oder Seelenmesse entwickelten sich. Es wurde möglich, dass die Zeremonie der Beisetzung oder Verabschiedung nicht mehr nur von einer Amtsperson der Kirche oder auch des Rabbinats abgehalten wurde. Hier hat der moderne Beruf des freien Trauerredners seinen Ursprung.

Trauerreden heute

Prozesse gesellschaftlichen Wandels sind seitdem alles andere als abgeschlossen. Im Gegenteil, sie scheinen sich mit der Globalisierung noch zu beschleunigen. Dabei bedeutet die Kirchenferne, Kirchenskepsis oder Religionskritik in mittlerweile weiten Bereichen der Gesellschaft nicht, dass die Menschen heute gar keine religiösen oder spirituellen Bedürfnisse mehr hätten. Auch hier repräsentiert die BATF eine Vielfalt von Trauerredner:innen, darunter solche mit christlichem, buddhistischem, naturreligiösem, agnostischem oder atheistischem Hintergrund.

Sterben, Tod und Trauer sind seitdem nicht ausschließlich Domäne der etablierten Religionen. Denn der humanistische Ansatz besteht darin, dass sie vor allem grundlegend menschliche Erfahrungen sind, für die wir alle eine natürliche Kompetenz besitzen. Trauerredner:innen vertiefen diese Kompetenz und machen sie zu ihrem Beruf. Genau wie die Vielfalt der Verstorbenen und Angehörigen spiegeln sie die Gesellschaft, der sie angehören. Sie verstehen sich als Dienstleister, nicht als Amtsträger. Auch das ist eine neuere Entwicklung in der Geschichte des Bestattungswesens. Zurzeit leisten Trauerredner:innen ca. 40 % aller Trauerfeiern in Deutschland – Tendenz steigend.